#Hasennase, Gedanken, Life

Ich habe heute leider keine Einladung für Dich | Lieber Emil…

 Emil Spiekeroofer Fähre

 

Vor ein paar Tagen hat es mir fast das Herz gebrochen, als du abends auf dem Weg ins Bett plötzlich stehen bliebst und kurz inne hieltst. Du sahst mich an und plötzlich kullerten dicke Tränen über Deine Wangen. Ich war irritiert, denn den ganzen Nachmittag hatten wir getobt und Du hattest wahnsinnig gute Laune, aber plötzlich wurdest Du still. Einige Augenblicke später konnte ich die von Dir geschluchzten Satzteile zusammenfügen und verstand: Du hattest an diesem Tag im Gegensatz zu vielen anderen Deiner Kitafreunden keine Geburtstagseinladung in Deiner kleinen Garderobe auffinden können, Du hattest doch so gründlich danach gesucht.

Ich habe versucht dir zu erklären, dass das gar nichts mit Dir zu tun hat und der Junge Dich ganz sicher trotzdem mag, aber als du dann auch noch schluchzend erzähltest, dass er zu Dir gesagt hat, du wärst nicht sein Freund und deswegen bekämst du auch keine Einladung und übrigens würdest du im nächsten Jahr auch keine bekommen, da musste ich mich kurz wegdrehen um nicht selbst loszuheulen.

Und jetzt?

Da standest Du vor mir und warst mit deinen fünf Jahren so verletzt und traurig, dass ich am liebsten die Mutter des Jungen angerufen (die übrigens obercool und wahnsinnig nett ist, genau wie der Junge selbst) und angefleht hätte, Dich doch bitte einzuladen. Sie hätte es sicher sogar getan, aber tief im Inneren wusste ich natürlich, dass auch solche Erlebnisse zum Leben dazu gehören. Trotzdem fällt es mir so unendlich schwer dich traurig zu sehen und nichts dagegen machen zu können und wahrscheinlich wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Du mit einer Enttäuschung leben musst. Mir graut es jetzt schon vor Deinem ersten Liebeskummer! Sicherlich werde ich dann heulend vor der Türe Deiner Angebeteten stehen und sie anflehen zurückzukommen – Oder ich verbiete Dir einfach bis zu Deinem 30. Geburtstag jeglichen Kontakt zum weiblichen Geschlecht…kleiner Scherz!

Das Ganze liegt mittlerweile schon ein paar Wochen zurück. Der Junge ist zwei Tage später in die Schule gegangen und somit weg aus der Kita. Beim Abschiedsfest habt ihr noch zusammen gespielt und das Wunderbare an euch kleinen Wesen ist ja, dass ihr so gut wie nie nachtragend seid und auch solche Erlebnisse schnell wieder mit ganz vielen, neuen und Guten Erlebnissen übermalt.

Mir gelingt das leider nicht so gut wie Dir und mein Herz ist noch immer schwer, wenn ich an diesen Abend denke. Ich überlege seitdem immer wieder, wie ich und auch wir, Deine Eltern Dir beibringen können, im Umgang mit Deinen kleinen Mitmenschen vorsichtig und empathisch zu sein und wie man Dich stärken und gegen neue Enttäuschungen wappnen kann. Wir mussten und müssen da alle durch, Enttäuschungen gehören genau wie Erfolge zum Leben dazu und auch wenn sie weh tun, stärken sie uns am Ende doch und sind für irgendetwas nützlich. Ich möchte einfach auch für mich lernen, wie ich in solchen Situationen eine Hilfe sein kann, statt bedröppelt daneben zu stehen und fast genauso loszuschluchzen…

Ich hab mal ein paar Fakten zusammengesucht, die mir ziemlich plausibel erschienen (natürlich alles ohne Gewähr):

papa, emil, mama

1.Verbringt regelmäßig und intensiv Zeit miteinander

Das können geliebte Rituale sein, wie das Vorlesen am Abend, gemeinsame Ausflüge oder auch Spiele, die ihr zusammen spielt. Laut der Erziehungsforscher zeigt ihr dadurch, dass ihr das Kind respektiert und dass es euch wichtig ist – und so lernen die Kinder von uns. “Wenn sich unsere Kinder geliebt fühlen, dann fühlen sie sich mit uns verbunden. Und diese Verbundenheit macht sie offener für unsere Werte und die Dinge, die wir ihnen beibringen.

 

2. Führt tiefgehende Unterhaltungen

Wir reden den ganzen Tag, aber nur selten gehen diese Gespräche wirklich in die Tiefe. Dahin wo unsere Gefühle, Wünsche, Sorgen und Ängste sitzen. Das ist aber wichtig, auch im Umgang mit den Kindern. Interessiert euch dafür, wie es dem Kind geht, was es gerade beschäftigt. Oft kommt ihr dann auf Themen, mit denen ihr gar nicht gerechnet habt und die euch als Familie enger zusammenbringen.

Anm.: Zu diesem Punkt schreibe ich momentan einen weiteren Blogpost, denn genau diese Situation gab es gerade bei uns.

Falls euer Kind zu der eher schweigsamen Sorte gehört, können diese Fragen ein Gespräch in den Gang bringen: “Was hast du heute Schönes erlebt? Was hast du heute Blödes erlebt?” “Hat heute jemand etwas Nettes für dich getan? Hast du etwas Nettes getan?”

3. Seid starke, soziale Vorbilder

Okay, das klingt zunächst nach dem alten Griesgram, der uns anmeckert, weil wir bei Rot über die Ampel gehen. Aber hin und wieder sollten wir uns schon daran erinnern, dass wir die Menschen sind, an denen sich Kinder am meisten orientieren. Die Art und Weise, wie wir mit Verwandten und Freunden umgehen, ob wir uns in der Nachbarschaft engagieren, ob wir dem Griesgram (obwohl er meckert) helfen, seine Einkäufe zu tragen – all das wird von unseren Kindern wahrgenommen und prägt ihr eigenes Sozialverhalten.

 

4. Steht zu euren Fehlern

Auch das ist eine vorbildliche Eigenschaft, die gar nicht so viele gut können. Aber soziale Kompetenz hat viel mit Ehrlichkeit und Respekt zu tun. Und jemand der sagen kann “Du, es tut mir leid, dass ich dich vorhin so angemotzt habe. Das war nicht angemessen”, der zeigt nicht nur Respekt vor dem Anderen, sondern wird auch selbst vom Anderen mehr respektiert.

 

5. Übertragt euren Kindern Verantwortung

Mit den sozialen Kompetenzen ist es im Grunde nicht anders als mit Englischvokabeln. Sie müssen geübt werden. Die Harvard-Forscher empfehlen daher, den Kindern zusätzliche Möglichkeiten zu bieten, Verantwortung zu übernehmen und anderen zu helfen. Das können Aufgaben im Haushalt sein, die wichtig sind für das Familienleben. Oder die Aufgabe, Geschwistern oder anderen Verwandten zu helfen. Empfohlen werden auch Familien-Konferenzen: “Dabei üben Kinder, Familienprobleme zu lösen wie Streit zwischen Geschwistern, den Stress morgens beim Fertigmachen oder zu unruhige Mahlzeiten.” Indem wir ihre Meinung dazu anhören und ernst nehmen, fühlen sie sich respektiert und lernen gleichzeitig auf die Bedürfnisse anderer Rücksicht zu nehmen.

(Quelle:Brigitte.de)

 

Das alles sind nur Auszüge, die ich beim Stöbern entdeckt habe. Grundsätzlich glaube ich, dass Trösten und Zuhören zu den wichtigsten Dingen gehören, die man einem Kind in solch einer Situation als Stütze bieten kann. Ich freue mich sehr, wenn ihr eure Erlebnisse mit mir teilt, hinterlasst mir gerne einen Kommentar oder schickt mir eine Mail an anna@annawolfers.de.

 

 

 

 

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5 Kommentare

  • Antwort Nele 30. August 2018 um 20:58

    Ein sehr schöner und berührender Beitrag. Da zieht es sogar in meinem Nicht-Mama-Herz. Die Gedanken/5 “Säulen” euer Kind zu einer starken und selbstbewussten Person groß zu ziehen unterschreibe ich dir so blind. Es gibt nichts wichtigeres als ein selbstständiges und sicheres Kind nach bestem Wissen und Gewissen großzuziehen.

  • Antwort Leo 30. August 2018 um 23:31

    Ein wunderbarer Beitrag – mit Themen, die mich auch gerade umtreiben. Ich versuche, mich oft selbst zu reflektierten, wenn mir an meiner Großen (4,5) Verhaltensweisen auffallen. Benutze ich oft dieses eine Schimpfwort? Werde ich schnell laut und aufbrausend?

    Vorgestern sagte sie zu mir: Mama, weißt du noch, als die eine Frau gestürzt ist und du ihr geholfen hast und sie gefragt hast, ob alles in Ordnung ist? Ich kann mich ehrlicherweise nicht an den Vorfall erinnern, aber es zeigt mir, dass es genau diese Dinge sind, die wir den Kindern vorleben (sollten) und die ihnen im Gedächtnis bleiben.

    Unser Ritual beim Zubettgehen: Wir sprechen über den Tag, ich frage, was für sie heute am schönsten oder nicht so schön war. Dabei entstehen oft tiefgründige Gespräche – sehr schön, auch wenn ich oft erschöpft bin…es lohnt sich, genau hinzuhören.

  • Antwort Sarah 31. August 2018 um 5:43

    Super schöner Beitrag!
    Ich weiss noch, als ich in der Grundschule als einziges Mädchen aus meiner Klasse nicht zu einem Geburtstag eingeladen war.
    Das Mädchen durfte nur 10 Leute einladen, wir waren aber leider 11 andere. Ich war unfassbar traurig und habe mich wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt. Meine Mama hat sich dann mit mir hingesetzt und meinte, dass das alles nicht an mir liegt. Und das ich, auch wenn ich mal nicht eingeladen werde, trotzdem ein ganz tolles Mädchen bin und mir absolut nichts vorwerfen soll. Beim nächsten Geburtstag habe ich sie aber aus “Rache” trotzdem nicht eingeladen.

  • Antwort Andrea 31. August 2018 um 19:40

    Ein wundervoller Beitrag mit ganz viel Mama-Liebe…. ❤️

  • Antwort Sandy 30. September 2018 um 23:29

    Ein sehr schön geschriebener Text, der ans Herz geht und nachdenklich macht. Natürlich tut das weh. Wahrscheinlich dir als Mutter noch mehr als dem kleinen Mann selbst. Bei uns ist alles ein bisschen anders. Mein Sohn ist Autist und wird nie irgendwo eingeladen. Das tut verdammt weh, besonders wenn man Sachen wie “schon wieder ne Einladung, das ist schon die vierte innerhalb eines Monats” oder “warum müssen die Kinder eigentlich immer zu uns kommen” hört. Wir hätten doch auch so gerne mal eine Einladung. Aber so ist das halt … nichtsdestotrotz geben wir nicht auf und freuen uns über die kleinen Momente, die das Leben lebenswert machen. Alles Gute für euch 🙂

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